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briggsTwin

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Donnerstag, 16. April 2020, 21:55

Briggs Vanguard V-Twin Tuning

Wie hier zu lesen war, restauriere ich ein Kart mit Briggs V-Twin Motor.

Nachdem ich den Tuner des Motors, die Initialen M.B. hinterließ er zuweilen auf Ventildeckeln ... , zunächst nicht ausfindig machen konnte, beschloss ich unter anderem, das Tuning selbst in die Hand zu nehmen.

Wozu hätte ich sonst Motortechnik studiert !?

Unter anderem laufen Bemühungen, einen Leistungsprüfstand zu bauen.

Die Bemühungen dauern an, werden aber durch die verschiedenen privaten und globalen Krisen nicht wirklich einfacher ...


Nun hat es sich ergeben, dass ich den Tuner doch noch ausfindig machen konnte. Er arbeitet schon lange nicht mehr, konnte mir aber noch viele wertvolle Informationen mitgeben, was so funktioniert und was halt nicht.

Unter anderem habe ich neben einigem Know-How auch seine übrigen Motorteile erworben.

Insgesamt bin ich durch all das äußerst überzeugt von diesem Motor - und das, obwohl ich den meinen noch nichtmal gefahren bin (ist aber fast fertig :D ).

Ich werde also voraussichtlich nächstes Jahr versuchen, ein paar V-Twins auf deutsche Kartbahnen zu bringen.

Als Basis wird stets der bewährte Vanguard V-Twin mit 18PS dienen.

Neben Maßnahmen an Kurbeltrieb und Zylinderkopf sind es maßgeblich die Vergaser, die zur Leistungssteigerung und Änderungen an der Ölversorgung, die zur Langlebigkeit beitragen sollen. So sind je nach Umfang der Maßnahmen 40-50PS statt der 18PS Serienleistung zu erwarten.

Wer hohe Drehzahlen anstrebt, ist mit einer Ganzstahl-Nockenwelle gut bedient. Die originale Guss-Nockenwelle kollabiert beim Versuch, die Ventile bei hoher Drehzahl durch stärkere Ventilfedern rechtzeitig zu schließen. So M.B. - und die im Konvolut enthaltenen Fehlversuche belegen das auch.

Eine Variante mit Kurbelwelle aus Vergütungsstahl und elektronischer Einspritzung mit Drosselwalzen ist in Planung. Hier erwarte ich 60PS, wenn die Kopfschrauben halten auch etwas mehr.

An dieser stelle ist schon zu erahnen, dass dies kein ganz billiger Spaß wird. Muss es aber auch nicht.

Stattdessen erkauft man sich das Privileg, mit einem totgesagten Viertakter, dem man ein viel zu hohes Gewicht und einen überzähligen Zylinder nachsagt, genau die zu besiegen, deren Motor einen Zylinder sowie zwei Takte zu wenig hat...

...und die haben für ihren Motor auch nicht weniger bezahlt, müssen den aber alle paar Stunden revidieren. Beim V-Twin entfällt das für ziemlich lange Zeit. (da die Frage kommen wird: nein, ich weiß auch nicht wie lange man ohne revision fahren kann)

Der Unterschied liegt in der geringeren Drehzahl des V-Twin gegenüber den Zweitaktern und zu großen Teilen auch in der Ölumlaufschmierung mit Ölpumpe, Filter und Kühler, wodurch der Motor nier ohne Öl oder richtiger mit zu wenig Öl läuft. Wenn man beim Zweitakter vom Gas geht sieht das anders aus.


Vielleicht kann mir ja der eine oder andere schon mitteilen, ob er sich vorstellen könnte, sich neben einen solchen Motor zu setzen - oder halt nicht. Auch Absagen sind hier erwünscht, sofern fundiert vorgetragen. Das eine oder andere Vorurteil kann möglicherweise noch entschärft werden.

MfG
Benjamin

Kart2018

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Donnerstag, 16. April 2020, 22:03

...hört sich interessant an, teile doch Deine Tuningkenntnisse.
Davon gibt es in diesem Forum leider viel zu viel unkonkretes. Was die Kurbelwelle bzw, Pleuel angeht: Hast Du schon mal überlegt das härten zu lassen ?
Dadurch soll das Zeug auch leichter werden und - davon gehe ich aus - auch höher drehen.

briggsTwin

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3

Donnerstag, 16. April 2020, 22:39

Härten ist der falsche Begriff.

Es geht um eine Erhöhung der Festigkeit, also der möglichen Kraftaufnahme.

Eine Härtung, wenn Sie nicht Teil einer Vergütung ist, bringt hier nichts.


Konkret werden die Pleuel aus 7075 Alu gefräst. Die Original Pleuel sind etwas leichter, aber nur halb so stabil. Die Pleuelschrauben müssen für hohe Drehzahlen in M8/12.9 ausgeführt werden. Mit M6 gab es Abrisse.

Durch die schwereren Pleuel muss die ohnehin nur mäßig ausgewuchtete Kurbelwelle neu gewuchtet werden. Da es ein 90° V2 ist, ist das Wuchtergebnis hervorragend!

Ihr werdet verstehen, dass ich hier keine genauen Maße der Bauteile angebe. Es könnte ohnehin kaum jemand daheim fertigen. Ich bin mit meiner Werkstatt wohl eine eher seltene Ausnahme.

Bei der Überarbeitung müssen beispielsweise am Pleuellager Passungen mit Toleranzen von 0,02mm hergestellt, es müssen Ventilsitzringe eingeschrumpft und Bauteile aus Alu gegossen werden. Das dürfte für die meisten unmöglich sein...

Kart2018

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Donnerstag, 16. April 2020, 23:10

Interessant. Ich habe das noch nicht gemacht, aber mir wurde ausdrücklich Härten gesagt. Hintergrund soll sein, dass durch das Härten, dass Material dichter und leichter werden soll...

Kart2018

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5

Donnerstag, 16. April 2020, 23:11

... Das hatte ich noch vergessen: was hältst du von pleuel Schrauben aus Titan?

briggsTwin

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Freitag, 17. April 2020, 09:08

... dass durch das Härten, dass Material dichter und leichter werden soll...


Ich müsste mal ein Thema eröffnen, in dem ich mich darüber aufrege, dass dem interessierten Publikum so viel Mist erzählt wird.

Metall kann man nicht verdichten. Der Atomabstand ist fix.

Gase kann man hingegen gut verdichten, wenn man einen Kompressor hat.

Ausserdem, wenn man Metall verdichten könnte, wie soll es dann gleichzeitig dichter und leichter werden?

Zu den Titanschrauben:

Pleuelschrauben aus Titan bringen nichts. Sie zählen voll zur rotierenden Masse und können weggewuchtet werden.

Den Gewichtsvorteil könnte man höchstens an der oszillierenden Masse nutzen. Also an Kolben, Kolbenbolzen und oberem Pleuelauge.

Pleuel und Kolben sind bereits aus Aluminium, also leicht, der Kolbenbolzen könnte aber ein Kandidat für Titan sein.

Kart2018

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Freitag, 17. April 2020, 12:20

...vielen Dank, klingt wirklich sehr interessant und überzeugend.

Da habe ich mir wohl einen Bären aufbinden lassen.

Baschtler

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Samstag, 30. Oktober 2021, 15:34

Hallo briggsTwin,
Für mich ist das hier ein sehr interessantes Thema.
Bin gerade dabei von Honda GX390 auf Vanguard V2 umzubauen, den ich im Moment auch tune.
Wie weit bist du mit deinem Projekt? Konntest deinen Motor bereits fertigstellen und fahren?
Gibt es Bilder?

Viele Grüße Thorsten
Viele Grüße
Thorsten

briggsTwin

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9

Montag, 8. November 2021, 12:30

Hallo Thorsten,

ich habe gerade erst deinen Beitrag gesehen.

Mit der Restauration meines Karts bin ich ein wenig weiter gekommen, habe beispielsweise neue Seitenkästen verbaut, dazu neue Halter angeschweißt und auch einen neuen Frontspoiler mit Frontschild angepasst. Sieht viel besser aus als vorher. Bilder dazu stelle ich bei Gelegenheit mal ein.

Der V-Twin hat einen neuen Auspuff bekommen und einen Kettenspanner aus dem Motorradbereich. Der alte Auspuff war mit Sicherheit zu laut, also habe ich zwei BOSAL Mittelschalldämpfer in Reihe zusammengeschweißt und auch einen neuen Krümmer angefertigt, bei dem jetzt die zwei Abgaswege ähnlich lang sind. Vorher war lang an kurz einfach zusammengebraten und das gefiel mir überhaupt nicht.

Leider ist der Motor noch nicht gelaufen geschweige denn gefahren. Da sind noch ein paar Kleinigkeiten zu machen. Ich hoffe aber, dass das vielleicht diesen Monat noch was wird mit dem ersten Anlassversuch. Zum Beispiel ist der externe Anlasser noch nicht fertig. Der alte ist kaputt. Frisches Öl muss auch noch hinein.

Wenn du abgesehen davon noch Infos brauchst zum Tuning des Motors, melde dich hier gerne. Ich kenne ja deinen Wissensstand nicht, aber vielleicht kann ich ein paar hilfreiche Tips geben, von denen dann auch andere profitieren können.


Eins meiner Probleme ist übrigens FreeCad. Ich versuche krampfhaft den Einspritzadapter zu malen aber ich komme mit der 3D Feeware nicht gut klar. Vielleicht liest das ein Spezi hier...

Baschtler

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Dienstag, 9. November 2021, 21:10

Hallo, Benjamin,
Freue mich das überhaupt eine Antwort kam, nachdem der Thread ja schon 1,5 Jahre alt ist :)

Bin halt zu spät auf die Briggs& Stratton aufmerksam geworden.
Bei meinem letzten Ausflug auf die Kartbahn war einer mit einem voll aufgemachten dort. Sein Kart lief wie an einem unsichtbaren Gummiseil, die derbe Beschleunigung bei im Gegensatz zu den Zweitaktern zurückhaltender Klangkulisse haben mich echt fasziniert. Schalter zogen zwar gleich, vorbei kamen sie aber nicht 8|
Als Nochanfänger (ich kam auch als Späteinsteiger erst letztes Jahr zum Kartsport nachdem mein Junior mit Kartslalom angefangen hat) brauche ich kein ganz so extremes Gerät. Aber an die 15PS Leistung meines Honda GX390 hatte ich mich recht schnell gewöhnt. Schon klar, wundert keinen 8)

Hab mich danach eingelesen und war dann umso mehr von den Briggs V2 Motoren überzeugt.
Serienmäßig keilgesicherte Ventile, Graugusslaufbuchsen und eine richtige Druckumlaufschmierung mit Ölfilter. Dagegen war mein GX390 noch primitiver als mir eh schon bewusst war ;)

Nun ja, es kam wie es kommen musste, habe mir einen Vanguard 16hp mit 479cm³ und nur zweistelligen Betriebsstunden aus einem Stromerzeuger gekauft.
Dieser wird nun "mild" und standhaft getunt.

Nichtsdestotrotz erwarte ich ca. 25PS und etwa 40Nm durch folgende Änderungen:
- Bearbeitung von Ein- und Auslasskanälen und Ventilen
- Verdichtungserhöhung von 8,2:1 auf 9,5:1
- Drehzahlerhöhung von 3600Umin auf etwa 5500
- deulich besser geformte Ansaugung mit größerem Vergaser
- gescheiter Krümmer/Auspuff


Damit die Drehzahlerhöhung funktioniert gibt es leichte Änderungen am Ventiltrieb. Die verbleibenden Serienteile wie Kolben/Pleuel/Kurbelwelle/Nockenwelle sollten das aber problemlos mitmachen.

Zudem erleichtere ich das Schwungrad deutlich und lasse es feinwuchten.
Wie siehst du das Tuning mit doch noch mehr Hintergrund?
Welche Kupplung fährst du? Werde vermutlich eine 110er Amsbeck kaufen.
PS: Zweitaktmotoren sind auch nix für mich :rolleyes:
Viele Grüße
Thorsten

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »Baschtler« (9. November 2021, 21:16)


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